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Immer noch eine unbequeme Wahrheit

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Der Blick auf die Erde aus dem Weltall, der sie als eine blaue Kugel in der Dunkelheit zeigt, ...
 
... hat etwas Erhebendes. Das Foto, das auch in Al Gores Büro hing, als er Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika war, wurde in den frühen 1970er Jahren aufgenommen. Es war das einzige seiner Art, weitere wurden nie geschossen. Das wollte Gore in den letzten Zügen seiner Amtszeit ändern, mit einem Satelliten, der die Erde umkreisen und wichtige Informationen für Wissenschaftler sammeln, aber eben auch regelmäßig Fotos liefern sollte. Die Bush-Administration stoppte jedoch das Unterfangen.
 
Das Sequel
 
Erst Präsident Obama ließ das Projekt wiederaufleben, nachdem Al Gore mit ihm gesprochen und ihm davon berichtet hatte. Er erkannte, was für ein mächtiges Symbol es ist, da es die Erde als unsere Heimat zeigt, frei von Grenzen. Man fühlt sich klein, aber auch verbunden, weil diese kleine blaue Kugel in der Schwärze des Alls alles ist, was wir haben. Darum darf sie auch nicht zugrunde gerichtet werden.
 
Als 2006 in der Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“ davon gesprochen wurde, dass es mitten in Manhattan Überschwemmungen geben wird, nämlich genau dort, wo das Ground-Zero-Memorial ist, da hielten das viele für Schwarzseherei. Die Kritiker meinten, so etwas könne nie passieren. Ein paar Jahre später wurde aus dieser Prognose Realität, wie man nun auch in „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ sehen kann.
 
Das ist der singulär vielleicht wichtigste Moment in diesem Film, weil er zeigt, dass eben nicht mit Schauerszenarien gearbeitet wird, sondern der Wandel spür- und erlebbar ist. Dabei ist diese Überschwemmung nur eine von vielen, die überall auf der Welt dokumentiert werden. Aber es sind nicht nur Überschwemmungen, sondern auch stärkere Winde und Regenschauer, die man schon als „Regenbombe“ bezeichnet, weil fast augenblicklich unglaubliche Mengen an Wasser auf die Erde fallen. „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ ist alarmierend. Natürlich ist der Film auch missionarisch. Aber angesichts seines Themas darf er das auch sein.
 
Die Hoffnung
 
Der Film beschreibt einen ewigen Kampf, mit Höhen und Tiefen, Siegen und Niederlagen. Er zeugt aber auch von Hoffnung, wenn er zeigt, dass es in den USA schon Städte gibt, die ihre Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewinnen. Beeindruckend ist dabei vor allem eine texanische Stadt, welche Gore besucht. Sie ist fest in republikanischer Hand. Die Wähler sind mehrheitlich Republikaner, der Bürgermeister ist es auch. Aber hier hat man erkannt, dass dies nicht nur der Umwelt zugutekommt, sondern auch dem eigenen Portmonee, denn die Stromversorgung ist so für die Bürger auch günstiger. Hier ist eine Stadt fortschrittlicher als der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
 
Und damit kommt die Niederlage. Denn Gore, der sich seit Jahrzehnten für einen Kampf gegen den Klimawandel eingesetzt hat, musste nun miterleben, wie Donald Trump den Pariser Klimavertrag aufgekündigt und sein Land damit zielstrebig in die Vergangenheit geführt hat. Das ist ökologisch ebenso wie ökonomisch ein Desaster, aber nicht das Ende. Die Erde wird auch Trump überleben und danach kommt vielleicht ein Politiker, der fortschrittlicher ist.
 
 
In einer Szene des Films wird Gore von einer Reporterin gefragt, ob er Interesse hätte, noch einmal zu kandidieren. Er schließt es nicht aus, so wie er es früher auch nicht getan hat, erklärt aber lächelnd, er sei als Politiker wie ein Alkoholiker. Der Entzug funktioniert und je länger er dauert, desto unwahrscheinlicher der Rückfall. Aber man kann nicht umhin, bei Sichtung dieses Films zu denken, dass es vielleicht nicht das Schlechteste wäre, wenn Gore es erneut versuchen würde. Wie würde die Welt wohl heute aussehen, hätte er 2001 nicht gegen George W. Bush verloren? Ein reizvoller Gedanke.
 
 
Fazit
 
„Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ ist ein packender, mitreißender Dokumentarfilm, der dort ansetzt, wo „Eine unbequeme Wahrheit“ endete und zeigt, was sich im letzten Jahrzehnt getan hat. Das ging mit Fortschritten einher, aber es gab auch Rückschläge. Beides wird hier gezeigt, so dass sich unabhängig vom wichtigen Thema des Films sogar ein dramatischer Spannungsbogen ergibt.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Bonni Cohen
  • Drehbuch: Jon Shenk
  • Besetzung: Al Gore
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