deensvtr

Song to Song

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Das neue Projekt von Terrence Malick ist ganz im Stil seiner bisherigen Produktionen. Song to Song ist ein ...
 
... dokumentarisch anmutendes Filmfragment ohne klares Ziel, mit dabei sind wie immer hochkarätige Schauspieler.
 
Die Welt kreist nun einmal um sich selbst
 
Die Traumfabrik war schon immer ziemlich eitel und beschäftigt sich recht gerne mit sich selbst und seinen eigenen Legenden. Ob das für einen Außenstehenden dann noch nachvollziehbar ist, bleibt dabei oft zweitrangig. In diesem Film geht es nun um eine ebenso exklusive wie spezifische Künstlerszene in Austin, Texas. Dass man natürlich in Europa keinen direkten Bezug dazu haben kann, ist aber nicht weiter störend, das Milieu dient nur dem Zweck, den einzelnen Figuren eine vage Verortung zu geben, weitere Kenntnisse sind eigentlich unnötig.
 
Diese Figuren sind schnell erklärt und doch schwer verständlich. Da gibt es die junge Faye (Rooney Mara) die als Praktikantin bei dem erfolgreichen Musikproduzenten Cook (Michael Fassbender) beginnt und als eine seiner Gespielinnen endet. Nebenbei hat sie noch eine Liaison mit dem aufstrebenden Musiker BV (Ryan Gosling), der zufällig auch mit Cook eine Platte aufnehmen will. Dazu kommt noch Natalie Portman als weitere Gespielin und zukünftige Frau des Musikproduzenten. Daneben hüpft noch Cate Blanchett über die Leinwand sowie zahlreiche Musikgrößen wie Iggy Pop und Patti Smith.
 
All diese Affären, Sexgeschichten und Liebeleien spielen sich in diversen schicken Appartements der örtlichen Bohème ab, meist am Rande irgendwelcher Partys oder gleich auf großen Musikfestivals. Im Kern konzentriert sich die Handlung auf das Liebesdreieck zwischen BV, Cook und Faye, die auch zusammen Urlaub machen und miteinander rumhängen.Ganz typisch für Terrence Malick gibt es kaum einen dramaturgischen Handlungsbogen, nicht mal eine klare Chronologie, vielmehr soll ein Stimmungsbild dieser Charaktere gezeichnet werden, die sich auch selbst immer wieder erklären, in Form von Voice-overs.
 
Weiß jemand wie man Musiker wird
 
Die Musik wird in diesem Film zwar thematisch immer wieder aufgegriffen, jedoch meist nur am Rande. Ganz spielerisch klimpert Ryan Gosling zwischendurch auf dem Klavier oder auf der Gitarre und hin und wieder singt jemand dazu. Doch es wird ziemlich schnell klar, dass es nicht um das professionelle Musikbusiness als solches geht. Die hier gezeigten Charaktere sind eher nebenbei musikalisch. Es geht nicht ernsthaft um den Werdegang von Faye als Musikerin, der Film schreibt keine weitere Metapher über den steinigen Weg zum Ruhm und seine Schattenseiten.
 
 
Über all den Drogenexzessen, den Bildern der tanzenden Festivalbesucher und selbst über den sexuellen Handlungen liegt immer ein dokumentarischer Schleier, eine gewisse Distanz zum Dargestellten. Durch den offensiven Einsatz verschiedener Kameratechniken, verwackelte Bilder mit Handkamera, lange elegische Fahrten, Unterwasserbilder und viele assoziative Schnitte entsteht ein gewisses Eigenleben der Kamera, dass an Vertov und seine Ideologie des Kinoglaz erinnert.
 
Diese Collage aus Bildern hat Malick schon bei seinem Erstlingswerk ausgezeichnet. Bei The Tree of Life hat die Kamera behutsam erkundet wie einzelne Mitglieder einer Familie mit dem Tod eines Kindes umgehen und welche Möglichkeiten es gibt, diese Trauer emotional umzusetzen. Damals wurde die formale Umsetzung des Stoffes gerade von der Kritik hochgelobt und durch die Besetzung von Brad Pitt in der Hauptrolle erreichte der Film auch eine breitere Öffentlichkeit. Es bleibt abzuwarten ob dieses Momentum aus bekannten Darstellern auch beim jetzigen Werk ausreicht um die Menschen in die Kinos zu locken, denn auch diese Geschichte ist keine leichte Kost.
 
Wie viel kann ein Spielfilm wirklich dokumentieren
 
Während bei seinem ersten Werk zumindest noch die Prämisse sehr greifbar und konkret erschien, entfernt sich Malick hier noch weiter von einer kausalen Handlung und lässt selbst rudimentäre Motive seiner Figuren außen vor. Man hat ein bisschen das Gefühl eine Dokumentation zu schauen, die nicht weiß was sie eigentlich dokumentieren will. Es wäre in diesem Fall wohl der spannendere Ansatz gewesen, wirklich dokumentarisch die zeitgenössische Musikszene in Austin einzufangen, inklusive Interviews echter Musiker und Festivalbesucher.
 
Sich von der fiktionalen Seite an dieses Thema heranzuschleichen wird irgendwie keinem so richtig gerecht. Zudem ist die Problematik sehr spezifisch und weit ab von der Lebensrealität der meisten Menschen. Wo der Tod eines Kindes durchaus als universelles Thema jedem zugänglich ist, wirken die pseudo-existentiellen Probleme moderner Hipster und Musiker auf Selbstfindung für einen Außenstehenden oft banal. Ob man sich dazu wirklich einen Film anschauen will muss jeder selbst entscheiden.
 
 
Fazit
 
Wer gerne bekannten Hollywoodstars beim Petting zuschaut, wird voll auf seine Kosten kommen. Liebhaber von Vertov bekommen immerhin eine zeitgemäße Neuauflage russischer Seelenzustände serviert und alle anderen werden sich nur fragen: Dafür habe ich jetzt wirklich Geld gezahlt?
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Hacksaw Ridge Mit einer Rückkehr von Mel Gibson hätte wohl kaum noch jemand gerechnet. Im letzten Jahrzehnt wurde er als ein Paria behandelt, ...   ... dem große Rollen gar nicht mehr angeboten wurden. Eine solche spielt er auch nicht in seinem neuesten Film „Hacksaw Ridge“, a...
Lion - Der lange Weg nach Hause Obwohl für vier Golden Globes nominiert, ging „Lion“ in diesem Jahr leer aus. Er musste sich „La La Land“ geschlagen geben, hätte aber ...   ... zweifelsohne auch jeden Preis verdient, den man sich vorstellen kann, denn die Verfilmung des Bestsellers &bdquo...
All Eyez On Me Tupac Shakur wurde nur 25 Jahre alt. Der neue Film über sein Leben dauert über ...   ... 2 Stunden und möchte uns diesen widersprüchlichen Menschen und Künstler näher bringen.   Beginn   Zu Beginn des Films sehen wir Tupacs Mutter, ein Mitglied d...
Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott ist ein emotional sehr anrührender Film, der die Formen der Liebe zu Gott und der eigenen Person erforscht.   Ob das für einen gelungenen Kinoabend ausreichend ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.   In jedem Leben gibt es e...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Terrence Malick
  • Drehbuch: Terrence Malick
  • Stars: Ryan Gosling, Rooney Mara
hnews mm wof
Am 22. Januar 2018 ehrte die Handelskammer von Hollywood Disneys Minnie Maus offiziell mit einem Stern auf dem Hollywood „Walk of Fame“. Zu den…
hnews tdca
Was für eine Knaller-Besetzung! Wie das US-Branchenblatt "Variety" schreibt, soll Leonard DiCaprio im neuen Film von Quentin Tarantino mitspielen.…
gg018 mag header
Die Golden Globes 2018 waren so politisch wie noch nie zuvor. Fast alle Gäste trugen schwarz und einen "Time'sUp"-Anstecker. Damit zeigten sie sich…
hnews mdamon trauer
"Kent Damon hat den langen Kampf gegen den Krebs verloren!" Diese weniger erfreuliche Mitteilung veröffentlichte Matt Damon´s Pressesprecher…
hnews jgblum
„Wenn man älter wird, geht ein Sommer nur so vorbei – bomb-ding, bomb-dang. Und dann ist es plötzlich September – bam-dat sca-dat – wissen Sie, was…
hnews hsolo rh
Ron Howard ist der Regisseur des immer noch titellosen “Star Wars”-Ablegers zu Han Solo. Dank Howard und dessen Twitter-Konto wissen wir, dass die…
hnews br 1
Am 27. Dezember 2018 kehrt eine der größten Musik-Ikonen aller Zeiten auf die große Leinwand zurück! In BOHEMIAN RHAPSODY verkörpert Rami Malek („Mr.…
hnews jfranco1
Elysium Bandini Studios ist in Hollywood einzigartig. Das Filmstudio produziert nämlich nicht für den größtmöglichen Gewinn, sondern für den guten…
hnews bond craig
Endlich gibt es Klarheit: Daniel Craig, der seit “Casino Royale” 2006 den smarten Agenten im Auftrag seiner Majestät mimt, wird noch einmal zu “007”!…
hnews 007 re
Fans von James Bond sollten sich den 8. November 2019 rot im Kalender markieren. Dann kommt der 25. Bond-Film ins Kino, wie “The Hollywood Reporter”…
laff srm header2
“Jetzt haben wir es geschafft, sind aber auch fast pleite”, lacht Gabriele Hayes, als FantasticMovies sie zur Premiere ihrer Dokumentation “Skid Row…
laff header1
Kurioserweise findet das Film Festival von Los Angeles nicht in Hollywood, sondern im ziemlich verschlafenen Stadtteil Culver City im Südwesten der…
hnews mioe
Regisseur Kenneth Branagh ist es gelungen, zur Neuverfilmung des Klassikers "Mord im Orient Express", nach dem gleichnamigen Bestseller von Agatha…
hnews duniverse
Das „Dark Universe“ wird uns das Fürchten lehren! Zum Kinostart von DIE MUMIE hat Universal Studios das geplante Filmuniversum rund um die legendären…
hnews mmia2a
"Mamma mia, here we go again" - unser liebster Musical-Film kommt zurück! Universal Pictures bringt nächsten Sommer die Fortsetzung zu "Mamma Mia" in…