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Happy Burnout

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Wotan Wilke Möhring ist einer der interessantesten deutschen Schauspieler, der mühelos die Genres, aber auch ...
 
... die Rollen wechselt. Ob „Tatort“-Kommissar, versoffener Fußballvater oder mittendrin im Körpertausch – er traut sich zumindest, immer wieder anderes zu spielen. In „Happy Burnout“ ist er nun ein Alt-Punk, der von Arbeit nicht viel hält, aber trotzdem gut durchs Leben kommt.
 
Wotan als Alt-Punk
 
Fussel (Wotan Wilke Möhring) lebt von Hartz IV, seit es das gibt – und vorher eben von Sozialhilfe. Er ist ein Lebenskünstler und Systemverweigerer aus Überzeugung. Zudem ist er immens charmant, was er auch sein muss, denn seit Jahren wickelt er seine Betreuerinvom Arbeitsamt um den kleinen Finger und erzählt ihr von seinen Hilfsprojekten, für die er einfach Zeit braucht. Nur dass es die eben nicht gibt. Stattdessen lebt er in den Tag hinein, bis das nicht mehr geht.
 
Denn wie er erfährt, werden die Langzeitarbeitslosen unter die Lupe genommen. Damit könnte es sowohl ihm, als auch der Sachbearbeiterin an den Kragen gehen. Aber sie sieht eine Lösung schreibt ihr Schwager Fussel doch eine Bescheinigung über ein akutes Burnout-Syndrom auf. Damit geht es in eine Klinik zum stationären Aufenthalt. Danach soll die Arbeitsunfähigkeit winken, doch letztlich findet Fussel hier – am unwahrscheinlichsten aller Orte – das, was er vielleicht immer gesucht hat: einen Sinn im Leben.
 
Feel-Good-Movie
 
Neu ist an „Happy Burnout“ im Grunde nichts, da man einerseits den sympathischen Loser hat, der am Ende doch so ein bisschen was aus seinem Leben macht, andererseits die Interaktion des extrovertierten Typen mit all den an Burnout leidenden Gestalten der Klinik. Denn natürlich räumt ein Fussel – was für ein Name – richtig auf und sorgt dafür, dass die Patienten nicht lahm im Grünen liegen, sondern aktiv etwas tun, was ihre Lebensgeister auch weckt.
 
Das ist die einfache Botschaft des Films: Krankheiten, besonders seelische, lassen sich mit Aktivität und Spaß bekämpfen. Manchmal auch mit Zuhören. Oder einer Schlägerei. Der Film macht es sich da etwas arg einfach, da derartige simplifizierte Behandlungsmethoden natürlich vor allem innerhalb eines ganz bestimmten Kontextes funktionieren: dem Erzählstrang eines Films, der sich als Tragikomödie versteht.
 
 
Mag man darüber auch streiten können, wie realistisch Fussels Ansatz ist, so bleibt dennoch reichlich gute Laune, die der Freizeit-Revoluzzer verbreitet – versehen mit ein paar kleinen Nuggets echter Weisheit, die zwar linksliberal sein mögen, aber den klischierten Geschäftsmann, der von seinen Geschäften überfordert ist, zumindest zum Nachdenken bringen. Für den Zuschauer bietet sich so immerhin reichlich gutes Gefühl, wenn man Fussel in Interaktion mit den Menschen um ihn herum sieht.
 
Der dramatische Aspekt
 
Natürlich verpasst man auch Fussel eine traurige Vergangenheit. Die ist für seine eigene emotionale Reise notwendig, wobei man nicht haarscharf am Klischee vorbeischrammt, sondern in voller Fahrt drauf zuhält. Das muss man im Grunde übersehen, denn die Charakterisierungen der Figuren sind im Grunde kaum originell zu nennen. Tatsächlich setzen sich Fussels Freunde allesamt aus Stereotypen zusammen, die in ihrer Gesamtheit dann durchaus ein oder zwei echte Menschen nachbilden können.
 
Das klingt jetzt negativer, als es ist, denn „Happy Burnout“, der anfangs weit komischer zu werden verspricht, als er es letztlich ist, ist ganz gute Unterhaltung, die sich zumindest von den typischen deutschen Romcoms abzuheben versteht.
 
 
Fazit
 
„Happy Burnout“ ist eine durchaus ordentliche Tragikomödie, die den Spagat zwischen Humor und Drama nicht immer ganz schafft, das aber durch einen extrem gut aufgelegten Wotan Wilke Möhring wettmacht. Kein Film, den man zu ernst nehmen sollte, der aber mit einem guten Gefühl das Kino verlassen lässt.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: André Erkau
  • Drehbuch: Gernot Gricksch
  • Stars: Wotan Wilke Möhring, Anke Engelke
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